Die Sache mit der Sache

Als Hundebegeisterter habe ich viel Kontakt zu Gleichgesinnten und so flattern mir mit schöner Regelmäßigkeit irgendwelche Petitionen ins Haus, die sich darüber aufregen, dass Tiere als Sache gelten.

Glaubt man diversen Foren, ist der Status von Tieren als "Sache" schuld an allem.

An Welpenhandel

An der schlechten Finanzierung von Tierheimen

An Tierquälerei im Allgemeinen

- u.v.m.

Kürzlich las ich auf Facebook einen Bericht darüber, wie die Polizei bei Siegen einen Hundehändlerring ausgehoben hat, der die armen Tiere wirklich unter miesesten Bedingungen gehalten hat. Möchte jemand eine Wette darauf abschließen, was ich unter den ersten 3 Kommentaren fand?

"[...] .so lange das Tier eine Sache für das Gesetz ist, wird sich leider nix ändern..."

Nun, wenn das so ist, sollten wir doch eigentlich von unseren Damen und Herren Abgeordneten verlangen können, dass Tiere vor dem Gesetz keine Sache sein sollen, oder?

Das Problem ist: Das stimmt nicht. Das Gesetz betrachtet Tiere nicht als Sachen.

Der betreffende § 90 a des BGB sagt zu Tieren Folgendes:

"Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist."

Was heißt das jetzt?

Im Klartext: Tiere gelten vor dem Gesetz nicht als Sache. Es gelten sogar besondere Schutzbestimmungen. Aber wenn diese besonderen Schutzbestimmungen nicht berührt werden, können Vorschriften gelten, die auch für Sachen gelten.

Dazu gehört zum Beispiel das Recht, einen Hund zu kaufen oder zu verkaufen oder ganz allgemein zu besitzen. Was im Endeffekt bedeutet: Niemand darf mir einfach so meinen Hund wegnehmen. Finde ich klasse!

Aber es heißt eben nicht, dass der Besitzer mit einem Hund einfach alles machen kann, was er will. Dafür kommen die oben erwähnten "besonderen Gesetze" zur Anwendung. Dazu zählt zum Beispiel das Tierschutzgesetz.

§1 TierSchG:

" Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen."

Damit stellt der Gesetzgeber ohne jeden Zweifel fest, dass Tiere eben keine Sachen sind sondern besonderen Schutz genießen.

Meinen Küchentisch dürfte ich in einem Wutanfall mit einer Axt zertrümmern, wenn ich ihn nicht mehr mag. Das darf ich bei einem Tier nicht.

Ich darf meinen Hund auch nicht den Schwanz abschneiden, nur weil ich das schick finde. Ich darf einen Hund nicht einmal ohne medizinische Notwendigkeit kastrieren lassen - auch wenn das leider oft anders gehandhabt wird.

Man kann und sollte sicherlich darüber streiten, ob diese Gesetze konsequent genug durchgesetzt werden.

Man kann auch darüber diskutieren, ob das Tierschutzgesetz weit genug geht. Anlass dazu gibt es genug.

Aber wenn wir einen Wandel bewirken wollen und Tiere besser schützen, dann bringt es nichts, mit stoischer Gemütsruhe immer wieder zu fordern, dass Tiere keine Sachen sind. Damit verschwenden wir nur Zeit, die wir besser dazu nutzen könnten, an den wirklichen Problemen zu arbeiten.

#Recht

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